1609 begann es:

Preußen und die Mark, ein gegenseitiges Nehmen und Geben

Der brandenburgische Kurfürst Johann Sigismund bereitete den Boden für eine lange preußische Herrschaft. Die Märker blieben dem Herrscherhaus durch die Jahrhunderte in Treue verbunden. Friedrich Harkorts Verdienst um den allgemeinen industriellen Aufbruch

Friedrich HarkortVor nunmehr vierhundert Jahren starb nach langem Siechtum, kinderlos, der Landesherr der vereinigten Herzogtümer Kleve, Jülich und Berg, welche die westfälischen Grafschaften Mark und Ravensberg mitumfassten.

Auf den nun einsetzenden Erbfolgestreit hatten sich als Erbanwärter vor allem die Häuser Brandenburg und Pfalz-Neuburg (Neuburg an der Donau, Nebenlinie der bayerischen Wittelsbacher), beide lutherisch wie die Mark, schon lange vorbereitet. Der brandenburgische Kurfürst Johann Sigismund war im Bund mit der Protestantischen Union und mit den von Habsburg abgefallenen protestantischen Niederlanden, die von Frankreich und England, den Rivalen Habsburgs, gestützt wurden. So konnte er, obwohl hier im Westen ohne eigene Streitmacht, dem habsburgischen Kaiser, der die Erbländer als kaiserliche Lehen einziehen und rekatholisieren wollte, die Stirn bieten. Der Pfalz-Neuburger trat 1613 zum katholischen Glauben über und verbündete sich mit der von Bayern geführten katholischen Liga.

Doch 1614 teilten sich die beiden Erbanwärter die rheinisch-westfälische Erbmasse gütlich: Kleve, Mark und Ravensberg fielen an die ostelbischen Brandenburger, Jülich und Berg an die süddeutschen Pfalz-Neuburger. Man sieht, das nur mittelgroße, noch dazu abgelegene Brandenburg betrat, voller Ehrgeiz, erstmals die hohe Bühne europäischer Politik. Schließlich bestand es dieses Abenteuer sogar.

So sahen sich die Märker in den folgenden Konfessionskriegen und -wirren von Brandenburg letztlich geschützt. Dafür blieben sie dem Herrscherhaus durch die Jahrhunderte in Treue fest verbunden.Graf Adam zu Schwarzenberg


Die Strategie des Kurfürsten Johann Sigismund hat sich also voll bewährt, aber ihre Ausführung; war für ihn kein Ruhmesblatt. Im Gegensatz zu seinem süddeutschen Rivalen Herzog Wolfgang Wilhelm ließ er sich an Ort und Stelle selbst nie blicken, und seine Statthalter waren schwach. Sein anfänglicher Eifer erlahmte bald, er alterte früh. Dabei gärte es im Westen weiterhin überall. Sein Erbrecht blieb umstritten, und die überkommenen Regierungsräte zeigten sich aufsässig.

Doch da trat, völlig überraschend, ein politisches Naturtalent auf den Plan, und schon wendete sich das Blatt. Der Landedelmann Graf Adam zu Schwarzenberg, geboren auf Schloss Gimborn bei Gummersbach,im märkischen Amt Neustadt („Bergneustadt“), erst sechsundzwanzig Jahre alt, begütert auch im Jülichschen, umtriebig, mit weitreichenden Beziehungen, leistete gleich nach Eintritt des Erbfalls den Abgesandten des Brandenburgers, ganz aus eigenem Antrieb, entscheidenden Beistand. Der Landesherr Johann Sigismund berief ihn darauf in seine seine Dienste, und schon 1613 avancierte Adam zum Stellvertreter seines Statthalters, des erst sechzehnjährigen Kurprinzen Georg Wilhelm. Diese Stellung ermöglichte es Adam, nahezu autokratisch zu agieren; verärgert hinterbrachte ein altgedienter klevischer Kammerrat der Regierung in Berlin, die Verteilung der Gelder, Vergebung der Ämter und Wohltaten liege jetzt bei einem allein, bei Schwarzenberg.

Als Georg Wilhelm 1618 die Nachfolge des verstorbenen Kurfürsten antrat, nahm er Adam als seinen Ersten Ratgeber mit nach Berlin, wo er bald Erster Minister wurde – und bis zu seinem Tode blieb. Zum Dank für seine außerordentlichen Dienste übertrug Georg Wilhelm ihm schließlich das Amt Neustadt und bewog den Kaiser, es ihm als reichsunmittelbares Lehen zu gewähren. Adam als Erster Diener des Kurfürsten jetzt selbst Landesherr – hatte es so etwas je gegeben? Adam zu Schwarzenberg war der bedeutendste Staatsmann der märkischen Geschichte.